Küchenzeile oder Kochtempel?

Foto: iStock.com

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Zwei Extreme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vorbei die Zeit, als die Hausfrau noch hinter verschlossener Tür in ihrer kleinen Küchenzeile werkelte. Küchen sind nicht mehr nur Abstellflächen für funktionale Geräte, denn inzwischen hat sich Kochen zur beliebten Freizeitbeschäftigung entwickelt.

Die Essenzubereitung gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird zum Gemeinschaftserlebnis – oftmals kocht die ganze Familie mit. Gerne versammeln sich auch Gäste um den Kochbereich, denn die besten Parties finden bekanntlich immer in der Küche statt. So haben die kochenden Gastgeber das Essen im Blick und können sich gleichzeitig um die Gäste kümmern. Und manchmal gehen diese sogar gerne zur Hand. Manche Küche erinnert heute deshalb eher an ein Wohnzimmer mit Essgelegenheit oder an ein durchgestyltes Luxusbadezimmer.

Viele Küchenhersteller haben sich auf die kulturelle Veränderung eingestellt und bieten Luxus-Küchen in gigantischen Dimensionen an. So benötigt zum Beispiel die Porsche-Küche von Poggenpohl aus Glas, Holz und Metall – in ihrer minimalsten Ausführung – einen Raum von 25 bis 30 Quadratmetern. Dafür bietet sie einen großzügigen Küchenblock mit Induktionsherd und Wärmefächern, bis zu zwei Backöfen, riesige Kühlschränke und viel Stauraum.

Ein leichtes Antippen von Schubladen und Schränken genügt und sie öffnen und schließen sich lautlos wie von Geisterhand. Das Zauberwort heißt „elektrische Schübe“. Da sie auch bei geringstem Widerstand sofort stoppen, sind vor allem Kinder davor geschützt, sich die Finger zu verklemmen.

Neues Konzept – die Küche im Schrank

Der Küchenhersteller Leicht verzichtet bei seinem Modell „Concept 40“ sogar ganz auf die herkömmliche Küchen-Gestaltung mit Hängeschrank, Arbeitsplatte und Unterschrank. Hinter einer geschlossenen Verkleidung aus rechteckigen Rastern, die an eine Schrankwand erinnert, verbergen sich unterschiedliche Elemente. Die Raster können separat geöffnet werden. Dahinter verbirgt sich alles Mögliche – von der Dunstabzugshaube über Geschirr bis zum einfachen Stauraum. Nicht mehr die Küchenoptik, sondern das Wohnen steht hier im Mittelpunkt. Denn die Fassade wirkt wie eine farbige Wand mit einer Kommode davor.

Viele Hersteller folgen mit klaren Linien und einheitliche Oberflächen dem Trend zu schlichten und zeitlosen Küchenmodellen. Sie verzichten deshalb oft auf Griffe für Schubladen und Schränke. Die Geräte sind möglichst hinter Hochglanz lackierten Türen verborgen und nur der Backofen erinnert daran, dass hier auch das Essen zubereitet wird.

Ob in den luxuriösen Kochtempeln besser gekocht wird ist Geschmackssache, aber die Speisen sind heute sicherlich gesünder. Trotzdem sehnt sich der eine oder andere ab und zu in Mutters unverwüstliche Küchezeile zurück – mit den dampfenden Töpfen auf den altbewährten vier Kochplatten.

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