Verspielter Protest – Einrichten im Jugendstil

Foto: iStock.com

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Jugendstil – auch „Art Noveau“ (Frankreich), „Sezessionskunst“ (Österreich) oder „Modern Style“ (England) genannt – glorifiziert, wie der Name verrät, die Jugend, die 1890-1914 als echt, unverfälscht, phantasievoll und dynamisch angesehen wurde. Seinen Namen verdankt dieser Einrichtungsstil der 1896 gegründeten Münchner illustrierten Kulturzeitschrift „Die Jugend“.

So wie die Entwicklung des Films damals frischen Wind in das kulturelle Leben der Menschen brachte, sollte auch in das Thema Design in Bewegung kommen. Man wollte sich von verstaubten historischen Formen befreien. Zu der Zeit ließen sich die Künstler nicht von alten Meistern, sondern von natürlichen Formen inspirieren. Modell standen beispielsweise Pflanzen, Schwäne, Kraniche oder Feuer. Alle Sinne sollten angesprochen und die Phantasie der Menschen geweckt werden.

Zur damaligen Zeit galt der Jugendstil als Protest gegen die voranschreitende industrielle Massenanfertigung. Das traditionelle Handwerk verlor seine starke Stellung und musste der billigeren und massenhaften Fertigung moderner Industriestätten weichen. Schon früh hatte es Gegenbewegungen gegeben: William Morris (1834-1896) und seine Bewegung Arts and Crafts werden dabei als wichtigste Vorläufer des Jugendstils angesehen. Selbst Gebrauchsgegenstände wurden zu Kunstobjekten umfunktioniert. Die Funktionalität einzelner Gegenstände trat dabei in den Hintergrund. Neben der aufwendigen handwerklichen Verarbeitung wurden edle und teure Materialien verwendet. Der hohe Preis dieser exklusiven Unikate führte zum schnellen Tod dieser Stil-Epoche.

Typisch für diesen Einrichtungsstil sind florale und geometrische Ornamente, geschwungene Linien, flächenhafte Malerei und eine Stilisierung der menschlichen Gestalt. Die Einrichtungsgegenstände des Jugendstils sind verspielt, geschwungen und zeitlos schön wie beispielsweise der Schaukelstuhl Nummer 1 von Thonet: Seine Lehnen sind aus gebogenem Holz, die Sitzfläche aus Rattan oder Leder. Im Laufe der Jahrzehnte änderten sich die Materialien: Statt aus Holz wurde der Stuhl später auch aus gebogenem Metall angeboten.

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